Was, wenn vernünftige Ratschläge uns in die falsche Richtung führen?

Gesundheitsempfehlungen klingen beruhigend. Fenster bei Lärm geschlossen halten. Bei schlechter Außenluft lieber nicht lüften. Mehrmals täglich stoßlüften, dann sei alles in Ordnung. Solche Ratschläge wirken vernünftig, verantwortungsvoll und wissenschaftlich abgesichert.

Doch was, wenn genau darin das Problem liegt?

In Dicke Luft erzählen wir, wie wir immer wieder auf einen verstörenden Widerspruch stießen: Zwischen dem, was öffentlich empfohlen wird, und dem, was Studien tatsächlich untersucht haben, kann eine erstaunlich große Lücke liegen. Aus komplexen Forschungsergebnissen werden einfache Regeln. Aus vorsichtigen Hinweisen werden alltagstaugliche Schlagzeilen. Und aus gut gemeinter Vorsicht können neue Belastungen entstehen.

Besonders heikel wird das dort, wo eine Empfehlung nur ein Problem im Blick hat, aber ein anderes ausblendet. Wer etwa Lärm oder Außenluft vermeiden will, hält Fenster geschlossen — und verändert damit gleichzeitig die Luft im Raum, in dem er stundenlang lebt oder schläft. Was wie Schutz wirkt, kann so unbemerkt selbst zum Belastungsfaktor werden.

Genau diese Erfahrung zieht sich durch unser Buch: dass vernünftige Ratschläge nicht immer die ganze Wirklichkeit abbilden. Dass Normen beruhigen können, ohne den Menschen wirklich zu schützen. Und dass manche Empfehlungen mehr vereinfachen, als die Studienlage eigentlich hergibt.

Dicke Luft geht deshalb einer unbequemen Frage nach:

Was, wenn wir nicht nur unter Schadstoffen, Räumen und schlechter Luft leiden — sondern auch unter den falschen Schlussfolgerungen, die daraus gezogen werden?

Wurden Sie schon einmal danach gefragt?

Wir werden nach Ernährung gefragt. Nach Stress. Nach Schlaf, Medikamenten und Blutwerten.

Aber wurden Sie von einem Arzt schon einmal gefragt, wie oft Sie lüften? Ob Sie in stickigen Räumen arbeiten? Ob neue Möbel, Teppiche, Reinigungsmittel, Duftstoffe, Schimmel, ein Gasherd oder ein Kamin Ihre Raumluft belasten könnten?

Dabei ist Luft einer unserer größten täglichen Kontaktwege mit der Umwelt. Nahrung und Wasser nehmen wir in wenigen Kilogramm pro Tag auf. Luft dagegen in vielen tausend Litern. Grob gerechnet laufen 80 bis 90 Prozent der täglich aufgenommenen Umweltmasse über die Atmung.